Rum vs. Whisky: Das große Spirituosen-Duell

Seit Urzeiten werden an den Theken, die die Welt bedeuten, entscheidende Fragen der Menschheit diskutiert: Pils oder Alt? Schwarz oder Rot? Die Bayern oder Dortmund? Schwarzenegger oder Stallone? Und natürlich die Königsfrage: Rum oder Whisky? Während der Whisky lange Zeit als besonders edler Tropfen für den Mann von Welt galt, hat der Rum in den letzten Jahren deutlich an Boden gewonnen. Vor allem die Zahl der Pur-Trinker ist gestiegen. Es ist also höchste Zeit, einmal der Frage nachzugehen, was für die süße Frohnatur aus der Karibik spricht,und was es an der rauchigen Schönen aus den schottischen Highlands so alles zu bewundern gilt.

Herkunft, Herstellung und Bedeutung:

 

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Rum wird aus Zuckerrohr gewonnen, das stammt ursprünglich aus Asien. In der Kolonialzeit brachten es europäische Händler in die Karibik. Dort wurde das Zuckerrohr auf riesigen Plantagen von Sklaven angebaut. Sie entdeckten, dass aus einem Beiprodukt der Zucker-Gewinnung, der Melasse, ein berauschendes Getränk entsteht. Der Rum war geboren. Später wurde Rum in den nordamerikanischen Kolonien destilliert, die einmal zu den USA werden sollten. In der Zeit des Südseehandels, der Piratenflotten und dem Krieg um die neue Welt kam dem Rum eine entscheidende Bedeutung zu: Er hielt die Moral auf den Schiffen hoch – sowohl auf den Handels- und Marineschiffen, wie auch auf den Schiffen der Freibeuter. Das Leben auf der Südsee mag sich um Gold, Edelsteine und fette Beute gedreht haben, aber der Treibstoff, mit dem die Schiffe liefen, war ohne Zweifel Rum.
Und auch aus einem anderen Grund wäre die Piratenzeit ohne Rum nicht denkbar gewesen: Auf den Schiffen wurde er mit Wein und einem Spritzer Limette getrunken und dadurch schützte er die Mannschaft vor der Geisel der Südsee, nein, nicht vor Captain Jack Sparrow, sondern vor dem Skorbut.

Der Whisky wird aus Getreide hergestellt, darauf kamen die Europäer schon relativ früh. Vor allem in den Klöstern destillierten Mönche Weizen und Korn, aus medizinischen Zwecken versteht sich. Mit christlichen Missionaren kam der Whisky nach Irland und Schottland, wo er auch heute noch zu Hause ist. Dort entstanden im 12. Jahrhundert die ersten feineren Destillate und Rezepte. Seinen Höhepunkt erlebte der Whisky dann zur Zeit des amerikanischen Alkoholverbots, der Prohibition. Gangster schmuggelten ihn, die Behörden jagten ihn, Schwarzbrenner rührten ihn in Hinterzimmern an und in Kanada, Irland oder England wurde er im großen Stil destilliert. Heute ist Whisky mit dem rauen Charme einer Zeit von leichten Mädchen und schweren Jungs verbunden. Er hat ein erdiges Image und gilt als ein Getränk, das man sich verdient hat, das man genießen muss, das den Charakter des Mannes stärkt.

Urteil: Piraten oder Gangster? Südsee oder die rauen Straßen von Chicago? Beide Spirituosen haben eine große Kultur und eine stolze Geschichte.
Unentschieden.

1:1

Die Mixologie

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Der Rum ist vielleicht die Spirituose, mit dem es die meisten Cocktails gibt. Durch sein mildes und süßes Aroma ist er gerade in Frucht-Cocktails zu Hause. Eine Aufzählung der beliebtesten Cocktails liest sich wie eine leckere Getränke-Karte einer Tropen-Bar: Der Daiquri und der Mojito, der Cuba Libre, die Pina Colada und der Mai Tai. Und für die Hartgesottenen gibt es noch den Zombie, der soviel Alkohol enthält wie vier normale Cocktails und von dem traditionell nur zwei pro Gast ausgeschenkt werden dürfen.

Tipp: Probieren Sie doch mal einen Daiquiri oder einen Mojito. Die Rezepte dazu finden Sie auf unserer Seite.

Bei dem Whisky ist das ein bisschen anders. Viele Whisky-Kenner rümpfen schon die Nase, wenn Eiswürfel ins Glas wandern. So manchen mag der Schlag treffen, wenn er auch nur daran denkt, den edlen Tropfen mit Cola zu mischen. Zwar gibt es einige Drinks wie den Whisky Sour, den Old Fashioned oder den Manhattan, aber generell wird Whisky doch eher pur getrunken, mit einem Glas Wasser zur Neutralisierung des Geschmacks. Ein anderes Thema wäre es, wenn es darum ginge, mit welchen Zigarren man den Whisky kombiniert.

Tipp: Sowohl der Jim Beam Honey, als auch der Jim Beam Hot Punch sind fertige Mix-Getränke des Herstellers.

Das Urteil: Klarer Punkt für den Rum, vielleicht das Mix-Getränk unter den Spirituosen überhaupt.

2: 1 für den Rum

Das Geschenk-Potential

Machen wir uns nichts vor: Beim Rum denken die meisten Menschen an Bacardi oder Captain Morgan. So richtig hat sich bei dem Getränk noch nicht herumgesprochen, dass es auch hier Premium-Produkte zu finden gibt wie den Old Monk oder den Ron Botucal. Für die Destillation von feinen Rum-Sorten wird dieselbe Sorgfalt aufgewandt wie für die Destillation von Whisky – nur weiß das der Laie so recht nicht. Deshalb mag ein edler Rum unter Kennern für anerkennendes Nicken sorgen, für Laien lässt man am besten das Preisschild dran

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Bushmills 16 Jahre in Geschenkpackung

Das ist beim Whisky ganz anders. Jack Daniels und Jim Beam sind auch hier in aller Munde, aber schon Glenfiddich oder Tullamore Dew haben einen eleganteren Ruf. Die meisten wissen, dass es völlig okay ist, für einen erlesenen Whisky auch mal tiefer in die Tasche zu greifen. Die Vorteile langer Lagerzeiten sind bekannt, auch dass es darauf ankommt, in welchen Fässern der Whisky lagert und was ein Angel’s Share ist, wissen mittlerweile einige. Das Verschenken eines edlen, teuren Whisky zu einem feierlichen Anlass ist gesellschaftlich völlig akzeptiert und okay. Ja, mehr noch: In größeren Städten werden sogar Kurse angeboten, um das Whisky-Schmecken, das „Tasten“, zu erlernen. Das richtige Vokabular ist entscheidend, es gibt ein Whisky-Lexikon und Atlanten: Der Whisky ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen und edle Tropfen genießen denselben guten Ruf wie ein namhafter Wein. Schauen Sie sich nur unseren Beitrag zu den Whisky-Messen an, um zu erkennen, welches hohe Ansehen dem Whisky mittlerweile entgegengebracht wird.

Das Urteil: Der Whisky gleicht hier aus. Zwar gibt es auch unter den Rum-Sorten absolute Premium-Sorten, aber durch das Image ist der Whisky hier klar im Vorteil.

2:2 Unentschieden

Die Vielfalt im Angebot

Zwar meint man manchmal, dass es beim Rum nur Bacardi oder Captain Morgan gibt, aber nichts könnte der Wahrheit ferner liegen: In allen Ecken der Welt wird Rum hergestellt, geschätzt und getrunken. Wir haben in einem Artikel fünf Rumsorten vorgestellt, die Sie unbedingt einmal probieren sollten. Dort können Sie sehen, dass es Rum mit einer derartigen Vielfalt von Geschmacksnuancen gibt, dass kein Rum dem anderen gleicht. Wer auf außergewöhnliche Geschmackserlebnisse im Bereich der Gewürze steht, kann sich auf eine Odyssee nach dem Rum seines Lebens aufmachen.

Um kaum einen anderen Prozess wird so ein Geheimnis und so ein Aufheben gemacht wie um die Lagerung und die Destillation des Whisky. Welche Fässer werden zur Lagerung verwendet? Welche Qualität hatte der Rotwein, der die Fässer vorher bewohnte? In welcher Luftfeuchtigkeit werden die Fässer aufbewahrt? Woher kommt das Getreide, wenn es destilliert wird? Welcher Braumeister steht am Kessel und welche Kessel werden überhaupt verwenden? Das Angebot an Whisky-Sorten ist riesig. Allein das Vokabular, um die einzelnen Geschmacksnuancen zu beschreiben, erfordert Muse und Zeit, es zu erlernen. Die Welt des Whiskys ist eine von grenzenloser Vielfalt. Jedes Jahr kommen neue Produkte und Jahrgänge auf den Markt.

Das Urteil: Ein Unentschieden. In beiden Welten lässt es sich ewig wandern. Die Auswahlmöglichkeiten sind fast unbegrenzt.

3:3 Unentschieden

Whisky oder Rum: Was ist denn nun die bessere Spirituose?

Pirat oder Gangster? Karibik oder ein regnerischer Montag – letztlich ist es doch egal. Keine Spirituose hat der anderen etwas Entscheidendes voraus. Wichtig ist nur, was Ihnen Ihre Geschmacksnerven sagen.
Wenn Sie ein Whisky-Typ sein möchten, dann seien Sie einer. Vielleicht kann Ihnen die karibische Schönheit mit den exotischen Gewürzen auch mal einen regnerischen Tag versüßen. Vielleicht sogar mit einem Schuss Limette. Und wenn Sie bisher auf Rum geschworen haben und mit Whisky nur üble Erfahrungen aus Ihrer Schulzeit verbinden, sollten Sie vielleicht doch noch einmal der kühlen Schönheit eine Chance geben. Verdient hat sie es allemal.

Bildquelle Beitragsbild: © Kondor83 – Fotolia.com

2 Kommentare zu Rum vs. Whisky: Das große Spirituosen-Duell

  1. Wenn 2 sich streiten, freut sich der Dritte. Cognac ist und bleibt das Alpha-Getränk erfolgreicher Männer.

  2. Ein guter Cognac hat in der Tat etwas. Obwohl ich Whisky und Rum (immer mehr) auch etwas abgewinnen kann.

    Letztendlich entscheidet der eigene Geschack.

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