Rum-Legenden: Wer ist Captain Morgan? Warum ist eine Fledermaus auf der Bacardi-Flasche?

Die Spirituosen-Industrie ist ein knallhartes Geschäft. Es geht um Umsatz, Profit und Wiedererkennbarkeit der Produkte. Es ist aber auch ein Geschäft voll Nostalgie und Tradition. Und wer keine hat, der erfindet sich eben eine.

Eine Spirituose braucht keine Tradition, um zu munden. Aber besser wäre es, eine zu haben. In einer globalisierten Welt möchte der Kunde nicht nur ein Produkt erwerben, sondern die Geschichte gleich mit. Das gilt besonders für den Rum, das vielleicht abenteuerlichste aller Getränke.

Ein Rum muss in den Flammen der Revolution geboren werden, muss von Inseln stammen, deren Name so voll mit Vokalen ist, dass wir das Meer rauschen hören. Er braucht Vergangenheit, eine Geschichten, einen Helden an der Spitze.

Kurz: Jeder Rum braucht eine Legende. Nun ist das kein Problem, wenn man Bacardi ist, die tatsächlich eine irre Familiengeschichte vorzuweisen haben. Aber was macht man, wenn man einfach nur ein guter Geschäftsmann mit einer Produktidee für ein Wahnsinns-Getränk ist? Dann muss man sich wohl eine Legende erfinden.

Aber welche stimmt und welche stimmt nicht?

Rum: Revolution, Piraterie und Fledermäuse

Bacardi wurde in einer Fledermaushöhle geboren

Bacardi hat eine lange Geschichte hinter sich. Seit 150 Jahren ist man im Geschäft. Die Familie Bacardi kam aus Spanien in die neue Welt. Auf Kuba bauten sie sich eine Existenz und Perspektive auf. Unter Castro hätte die Familie beinahe alles verloren. Aber woher kommt die Fledermaus auf der Flasche?

1862, so geht die Geschichte, fand Don Facundo in einer neu gegründeten Destilliere einen Fledermausschwarm. Auf Kuba gelten Fledermäuse als Symbole des Glücks und des Reichtums. Und auch für uns, die diese Geschichte gar nicht kennen, hat die Fledermaus als ein mysteriöses Geschöpft der Nacht über die Jahrhunderte nichts von ihrer Faszination eingebüßt.

Verwegener Pirat führt Rum-Marke zum Weltruhm

1944 startete die Firma Seagram damit, einen Rum namens „Captain Morgan“ zu produzieren. Der Name war an den walisischen Freibeuter und Schuft Henry Morgan angelehnt. Fast 60 Jahre später landete die Marke bei Diageo, einem riesigen Konzern, der unter anderem aus Guiness hervorging. Die erkannten das enorme Marketing-Potential von „Captain Morgan.“ Sie starteten in den vergangenen Jahren immer größere Werbekampagnen und sind nun als der Rum mit dem „Captain“ bekannt. Sogar eine eigene Pose hat man kreiert.

Man gibt sich jugendlich und abenteuerlich. Verbindet den Rum mit einer Art „Fluch der Karibik“-Nummer. Aber von „Henry Morgan“ als Person hat man sich im Laufe der Zeit distanziert. Der Name selbst taucht nicht mehr auf, nur noch vom Captain ist die Rede.

Das mag gute Gründe haben: Henry Morgan war ein Brandschatzer und Massenmörder. Er stammt aus einer gänzlich anderen Welt als der hippe Trend-Rum. Würde man sich zu den Wurzeln bekennen, kämen unangenehme Fragen auf, warum man so jemandem ein Denkmal setzt. 1944 stellte diese Frage wohl niemand.

Don Papa Rum: Revolutionsführer und Vorarbeiter auf einer Zuckerrohr-Plantage

Der Don Papa Rum aus den Philippinen hat mit seinem Namensgeber noch weniger zu tun. Er ist das Kind von Stephen Carroll, einem ehemaligen leitenden Angestellten bei Remy Cointreau. Der erkannte auf den Philippinen das Potential für einen erstklassigen Rum. Und er wählte mit Don Papa einen ehemaligen Revolutionsführer als „Galionsfigur“ für seine Neu-Erfindung.

Die Verbindung: Don Papa hatte als Vorarbeiter auf einer Zuckerrohr-Plantage gearbeitet.

Die traditionsreiche Patina gibt es auch aus Deutschland

Aber ist nur der Rum so stark mit den Werbefiguren verbunden? Nein, natürlich nicht. Auch andere Spirituosen setzen auf eine traditionsreiche „Patina“ als Geschmacksveredelung. Als man im Schwarzwald auf die Idee kam, einen hervorragenden Gin zu etablieren, erfand man eine Legende um einen britischen Kriegsveteranen, den es in den Schwarzwald verschlagen hatte, um dort zu lernen, wie man Kuckucksuhren baut. Oder sollte sich gerade diese Geschichte wirklich so zugetragen haben?

Wir wollen dem guten Montgomery Collins nichts unterstellen. Denn, ob fiktiv oder nicht: Der Monkey 47 Gin ist ausgezeichnet. Und die geschmacksveredelnde Patina einer solchen Legende findet sich nur auf der Außenseite der Flasche wieder. Mit dem Geschmack hat es nichts zu tun.

Und davon abgesehen: Hat Don Facundo 1862 wirklich einen Fledermaus-Schwarm entdeckt oder sich die Geschichte nur ausgedacht, um seinem damals unbekannten Getränk etwas Besonderes zu verleihen?

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