Pappy Van Winkle: Wie ein Whisky zur Legende wurde

Spirituosen sind ein Luxus- und Kulturgut. Viele Brände leben von ihrem Image und einem gewissen Flair, der die Marke umweht. So steht der Bacardi für laue Nächte in der Karibik, beim Captain Morgan denkt man als erstes an einen schneidigen Haudegen und Halunken. Jim Beam, Jack Daniels und Johnnie Walker sind aus der Zeit gefallene und ehrliche, hart arbeitende Brände aus der Ära von Eisenbahnern, Farmern und Bergwerkarbeitern. Und der Jägermeister hat seine Renaissance zu einem Großteil einer ausgebufften Werbekampagne zu verdanken. Doch der Pappy van Winkle treibt Legendenbildung noch ein Stück weiter: Er ist so selten, dass ihn die Wenigsten je zu schmecken bekommen werden. Dadurch wird er noch viel begehrter.

Aus bescheidenen Anfängen erwachsen

Heute ist der Name schon Kult. Wer ihn kennt, gehört dazu und kennt sich aus. Doch das war nicht immer so, denn die Geschichte des Pappy van Winkles unterscheidet sich nicht sehr von der Geschichte anderer Schnapsbrennereien. Sie hatte einige Hochs und noch mehr Tiefs zu durchwandern.
Kurz vor der Jahrhundertwende, gegen 1893, fing ein 18-jähriger Bursche namens Julian Van Winkle als Spirituosenhändler an. Er hörte auf den Spitznamen „Pappy“ und bewies Talent und Leidenschaft in seinem Beruf. Später übernahm er zusammen mit einem Kollegen die Firma, bei der er vorher nur angestellt war. Dann kaufte er auch noch gleich die Destilliere dazu, von der sie die meisten Brände bezogen. Nun kam ausgerechnet die Prohibition auf den jungen Unternehmer zu, kurz vorher kam wohl die Idee zu einem „Old Rip Van Winkle“-Schnaps auf, eine Anspielung auf eine literarische Legende und den Spitznamen des Firmengründers. Doch die Prohibition machte den Gag mit dem Namen ein rasches Ende.
Während der Prohibition schlug sich die Destilliere als Hersteller von „medizinischem“ Whisky durch. Die Prohibition verging und mit der Destilliere passierte das, was mit vielen kleinen Unternehmen in einem großen Markt passierte. 1972 verkaufte man fast alle Markenrechte an andere Firmen. Auch die Destilliere wurde veräußert. Nur eine Idee behielten die Nachfahren von Van Winkle, offenbar wegen des Namens. „Old Rip Van Winkle“ blieb weiter in Familienbesitz. Und dann bildete sich ein Kult. Der kam nicht über Nacht, sondern war harte Arbeit.

Der Enkel führt das Familienunternehmen zum Welterfolg

1981 fing Julian Van Winkle III. nur mit den Namensrechten und einer kleinen Vertriebsgesellschaft an. Bourbon war völlig out zu der Zeit. Doch Julian der Dritte, ein Enkel des Firmengründers, glaubte an das Produkt, sah sich auf dem Markt um und erkannte, dass kaum einer gereiften, „aged“ Bourbon herstellte. Dabei war das für ihn eine Herzensangelegenheit. Ihm schmeckte reifer Bourbon einfach besser, mit seinem komplexen Universum aus Geschmacksnoten. Also machte er sich an die lange und mühsame Arbeit, Bourbon zu destillieren, ihn in Fässern zu lagern und Jahr um Jahr dafür zu sorgen, dass jedes Fass so schmeckte, wie es seinen Vorstellungen entsprach. Eine Arbeit, die im Dunklen stattfindet. Im Inneren von Eichenfässern und von der niemand sagen konnte, ob sie sich je lohnen würde.

Mit der Bestnote kam der Durchbruch

1998, 17 Jahre später, bekam sein „Pappy van Winkle“ dann von einem renommierten Institut in Chicago die bis dahin höchste Bewertung von 99 Punkten. Damit begann der Kult. Das Telefon hörte nicht mehr auf zu klingeln. Angesagte Chef-Köche erklärten den Pappy van Winkle zu ihrem Leib-Getränk, Food-Magazine und Blogger berichteten über die kauzige kleine Firma.
Heute könnte Julian van Winkle III. ständig die Preise erhöhen oder die Produktion hochfahren, doch all das möchte er nicht. Dadurch dass der Pappy van Winkle so knapp ist – nur 7000 Kisten werden jährlich produziert – und mittlerweile weit über die Grenzen der USA bekannt und berühmt ist, hat sich ein Kult um den Bourbon gebildet. Wer auf die Suche danach geht, wird Mondpreise für einzelne Flaschen bezahlen müssen. In Spirituosenläden gibt es Lotterien, wer überhaupt eine solche Flasche erwerben darf. Am begehrtesten sind die van Winkles mit einer längeren Lagerzeit. Wer nur nach einem Pappy van Winkle fragt, gibt sich schon als Insider zu erkennen.
Einige Kenner haben sich einen Pappy van Winkle geangelt und hüten ihn nun wie die Juwelen der Großmutter oder ein kostbares Erbstück. Nur zu den seltensten Gelegenheiten darf von ihm gekostet werden. Und eine Flasche davon markiert ein einschneidendes Ereignis im Leben einer Familie.
Eine Ironie der Geschichte: Pappy van Winkle war nicht nur der Spitzname des Firmengründers, sondern geht auch auf eine alte Legende von Washington Irving zurück. Dort legte sich Rip van Winkle einmal in den Bergen zur Ruhe, verschlief zwanzig Jahre und einen Krieg und als er aufwachte, fand er die Welt verändert vor.

In unserem Online-Shop finden Sie zahlreiche Spezialitäten, darunter auch einige Whiskys, die dem Old Pappy van Winkle in Nichts nachstehen. Und wenn wir mal eine Falsche vom alten Pappy haben, lassen wir es Sie wissen. Versprochen.

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